Asien bringt Pepp ins Portfolio

Die Software AG – Stiftung erwirtschaftet jährlich sieben Prozent an der Börse. Mit Produkten, die auch jeder Kleinanleger kaufen kann. 

Herr Rachor, Sie verwalten das Vermögen einer der größten gemeinnützigen Stiftungen Deutschlands. Wie viel Gewinn haben Sie dieses Jahr erwirtschaftet?
Wir haben 2009 unsere Ziele erreicht, so dass wir wie in den vergangenen Jahren 25 Millionen Euro für soziale oder ökologische Projekte ausschütten können.

Wie haben Sie das Geld eingespielt?
Zwei Drittel des Vermögens ist fest gebunden, in einem Aktienpaket an der Software AG. Das hat Peter Schnell, der Gründer der Software AG, in die Stiftung eingebracht – daraus sind heuer acht Millionen Dividende an uns geflossen. Der Rest steckt in Immobilien, davon erwarten wir vier Prozent Rendite. Mit dem Rest des Vermögens müssen wir am Kapitalmarkt mindestens sechs Prozent Gewinn einfahren, das ist die Vorgabe des Stiftungsvorstands.

Schaffen Sie diese Marke immer?
Fast immer, abgesehen vom Horrorjahr 2008. Im Schnitt bringen wir es auf sieben Prozent Rendite, unabhängig von den Launen der Börse.

Kann man den Markt schlagen?
Ja, kann man.

Auf Dauer?
Mit einer vernünftigen Anlagepolitik: ja.

Den Publikumsfonds der Banken gelingt das selten. Sitzen dort nur Versager?
Natürlich nicht. Tatsächlich schneiden zwei von drei Fondsmanagern schlechter ab als der Markt. Aber die unterliegen auch anderen Zwängen. Die müssen immer zu 100 Prozent in Aktien investiert sein, wir können auch mal abwarten. Außerdem messen die sich immer am Gesamtmarkt. Verliert der 22 Prozent, bedeuten 18 Prozent Verlust für den Fonds einen Erfolg. Das können wir uns nicht leisten. Wir brauchen jedes Jahr Erträge, wir müssen auch in Krisenzeiten Geld an Förderprojekte ausschütten. Deshalb legen wir sehr konservativ an.

Die Vermögensverwalter der amerikanischen Stiftungen waren jahrelang Idole für Privatanleger. Jetzt sind Yale und Harvard in Not. Droht Ihnen Ähnliches?
Nein. Wir haben nie mitgemacht mit Derivaten und all dem, was man jetzt toxische Papiere nennt. Dafür hatten wir nie so hohe Renditen, sind jetzt aber auch nicht getroffen von der Krise. Im Unterschied zu den Kollegen in Amerika investieren wir auch nicht in Wald oder anderes schlecht handelbares Vermögen, wir können unser Portfolio jederzeit liquidieren.

Wo liegt das Geld, das nicht an die Software AG gebunden ist?
265 Millionen Euro halten wir in Aktien und Anleihen global. 70 Millionen Euro stecken in Immobilien, direkt in Häusern, nicht in Fonds. Und mit 15 Millionen sind wir in Private-Equity-Fonds engagiert, da steigen wir gerade aus.

Warum? Wir dachten, Private-Equity-Fonds werfen traumhafte Renditen ab.
Der beste Fonds, den wir hatten, brachte es gerade auf 10 Prozent Rendite – nicht gerade ein Traum, andere liegen sogar im Minus.

Für 2010 rechnen alle mit einer Zinswende: Schlechte Zeiten für Anleihen, oder?
Leider. Dieses Jahr haben wir 10 Prozent Rendite mit Anleihen geholt, das wird 2010 nicht annähernd zu wiederholen sein. Anfang 2009, in den Wochen der Panik, haben wir massiv Positionen in Unternehmensanleihen aufgebaut – BMW-Anleihen gab es im Februar zu 80 Prozent vom Nominalwert! Für Neuinvestments sind Anleihen jetzt aber uninteressant.

Fürchten Sie nach der Herabstufung von Griechenland und Spanien den Bankrott von Staaten?
Nein, ich mache mir keine großen Sorgen, dass ein Land kippt. Trotzdem werden die Anleger eine spürbar höhere Risikoprämie für Staatspapiere verlangen, das bedeutet Kursverluste insbesondere für langlaufende Staatsanleihen.

Ihr anthroposophischer Stifter Peter Schnell geißelt die Jagd der Spekulanten nach schnellem Profit, gleichzeitig müssen Sie die Rendite am Kapitalmarkt maximieren. Wie passt das zusammen?
Unser Stifter lehnt Derivate ab, also abstrakt konstruierte Geldprodukte, die reine Wetten sind, ohne dass ein echter Wert darinsteckt. Solche Anlagen scheiden für uns aus.

Aktien sind etwas anderes und deshalb erlaubt?
Ja. Mit einer Aktie kaufe ich einen Teil an einem Unternehmen – da steht ein realer Wert dahinter. Mit dem Geld, das ein Aktionär einer Firma in Form von Eigenkapital zur Verfügung stellt, kann die Firma Produkte entwickeln, Arbeitsplätze schaffen und zur Wertschöpfung in der Wirtschaft beitragen.

Gilt das für alle Branchen? Oder sind manche Aktien für Sie tabu?
Wir investieren nicht in Rüstung, nicht in die Tabakindustrie, nicht ins Glücksspiel. Außerdem scheiden Biotech und Gentechnik aus. Unsere Stiftung fördert den biologisch-dynamischen Landbau, der sich gegen die Gentechnologie stemmt. Damit ließe es sich schlecht vereinbaren, würden wir in den Bereich investieren.

Welches sind Ihre Lieblingsaktien?
Wir kaufen europäische Blue Chips, also defensive Dividendenpapiere mit stabilem Cashflow, wie BP, Vodafone, Total, Vallourec. Attraktiv finde ich auch Unternehmen mit viel Umsatz in Schwellenländern: den Schweizer Zementhersteller Holcim, Klassiker wie Danone oder Unilever. Wir haben aber auch Oriflame, ein schwedischer Direktvertrieb für Kosmetik. Der ist stark in Russland – das Avon des Ostens.

Deutsche Werte haben Sie nicht genannt. Sind die so uninteressant?
RWE Vorzüge haben wir im Depot, aus der zweiten Reihe Bilfinger Berger, die sich vom Baukonzern zum Dienstleister entwickeln, was mir sehr clever erscheint. Den Pepp im Portfolio bringen aber Aktien aus Asien. Dort ist die Rezession Geschichte, da sehen wir eine starke Erholung, wovon wir uns auf einer Asien-Reise im November vor Ort überzeugt haben.

Sie fürchten keine neue Blase in China oder Hongkong?
In keiner Weise, die Wirtschaft dort steht auf viel gesünderem Fundament, als der Westen es wahrhaben will. Wir sind mehrmals im Jahr vor Ort und schauen uns nach Einzelinvestments um, was private Anleger schwer machen können.

Nennen Sie zum Schluss einige Tipps?
Singapore Telecom haben wir gekauft. Außerdem Sembcorp Marine ebenfalls aus Singapur, die reparieren Schiffe. Reizvoll finde ich die State Bank of India, die größte Bank des Landes, mit dem Staat als Großaktionär. Deren Kreditvolumen ist um 30 Prozent gewachsen gegenüber dem Vorjahr. In Hongkong haben wir Anteile an der Hang Seng Bank gekauft. In China Aktien vom zweitgrößten Sportartikler: Anta Sports, die binden Sportler an sich, wie es auch Adidas und Nike machen, und sind in Chinas Millionenstädten weit verbreitet. Ein Markt mit riesigen Wachstumschancen.

Das Gespräch führte Georg Meck.

Was ist die Software-Stiftung?

Die Software AG – Stiftung ist eine der größten gemeinützigen Stiftungen in Deutschland. Gegründet hat sie Peter Schnell, 71, einer der Pioniere der IT-Industrie und einer der großen Wohltäter im Land. Vor 40 Jahren hatte er mit zwei Mitstreitern in Darmstadt die „Software AG” gegründet. Das Startkapital waren eigene Softwarepatente sowie 6000 D-Mark in bar. Heute beschäftigt der Konzern 2000 Mitarbeiter und ist an der Börse zwei Milliarden Euro wert. Schnell hat seine Anteile schon 1992 in die Stiftung eingebracht. So soll mit den „erheblichen Vermögenswerten heilsam in der Welt umgegangen werden”, wie es der scheue Unternehmer formuliert hat. Sein soziales Engagement speist sich aus zwei Quellen: der Erfahrung als Vater von zwei behinderten Söhnen sowie seiner anthroposophischen Lebenseinstellung. „Ich kann mir nicht mit Hunderten Millionen Euro ein bequemes Leben machen. Das wäre schrecklich fad, ohne dass ich irgendeine Befriedigung daraus ziehen würde.” Die Software-AG-Stiftung steckt jedes Jahr etwa 25 Millionen Euro in Alten- und Behindertenhilfe, Naturschutz, Erziehung sowie die Förderung der Wissenschaft.

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