Auf Augenhöhe – didaktische Analyse der Lernpraxis an dänischen Waldorfschulen

Die dänischen Waldorfschulen stehen vor der Herausforderung, dass ihre Oberstufen vom Staat nicht als gleichwertig anerkannt und daher auch nicht staatlich finanziert werden. Hintergrund ist, dass die Waldorfschulen dort nicht an den zentralen Abschlussprüfungen teilnehmen. In den Klassen elf und zwölf vergeben sie auch keine Notenzeugnisse, sondern ausführliche Entwicklungsberichte in Textform. Die gelebte Praxis hat aber gezeigt, dass die Absolventen dieser Waldorfschulen sehr erfolgreich Berufsausbildungen durchlaufen, studieren und Karrieren machen. Allerdings müssen sie für ein Studium bislang häufig externe Prüfungen oder Aufnahmeprüfungen ablegen. Diese Schieflage hatte den Dachverband der dänischen Waldorfschulen dazu veranlasst, die Dänische Pädagogische Universität (DPU) in Kopenhagen mit einer Analyse der Lernpraxis an dänischen Waldorfschulen zu beauftragen. 2011 und 2012 wurden sechs dänische Waldorfschulen wissenschaftlich untersucht.

Die Studie nahm dabei zwei Blickwinkel ein: einerseits wurde im Rahmen einer empirischen, didaktischen Analyse die Unterrichtspraxis untersucht, andererseits wurde in vielen qualitativen Interviews mit Schülern und Absolventen der Fokus auf die nachhaltige Wirksamkeit der Pädagogik gerichtet. Die Ergebnisse zeigen Parallelen zwischen den Oberstufen an Waldorfschulen und allgemeinbildenden Gymnasien. Allerdings gibt es deutliche Unterschiede: aufgrund des breiter gefächerten Angebots ist beispielsweise die Stundenzahl an den Waldorfschulen höher. Die Schülerbefragungen ergaben, dass diese breitere, ganzheitliche Ansprache sehr gut ankam und einen inkludierenden Effekt zeigte: Mobbing beispielsweise kam an den Waldorfschulen vergleichsweise sehr selten vor, die Identifikation mit der eigenen Schule war deutlich höher als an Regelschulen. Die Wissenschaftler kamen insgesamt zu dem Schluss, dass die Oberstufen an dänischen Waldorfschulen als gleichwertig zu den allgemeinbildenden Gymnasien anzusehen sind.

Mit Hilfe dieser Ergebnisse sollte erreicht werden, dass einerseits der Abschluss der Waldorfschule nach der zwölften Klasse gleichberechtigt mit den übrigen gymnasialen Ausbildungen als Zulassungsberechtigung anerkannt und andererseits eine staatliche Finanzierung der elften und zwölften Klasse bewilligt wird. Die Gleichwertigkeit der Waldorf-Oberstufe konnte aufgezeigt werden, ungeachtet der wissenschaftlichen Erkenntnisse gibt es jedoch bisher keine Zusage von Seiten der Politik, diese auch zu finanzieren.

"Mit Blick auf den europäischen Vergleich zeigen die Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchung einmal mehr, dass Waldorfschulen auf Augenhöhe agieren", betont Prof. Dr. Dirk Randoll, Leiter des Institutes für Erziehungswissenschaft und empirische Bildungs- und Sozialforschung der Alanus-Hochschule in Alfter.  Die untersuchten Oberstufen seien zwar didaktisch nicht gleichartig wie die staatlichen Gymnasien in Dänemark, aber vom Ergebnis her gleichwertig, so Randoll, der die Studie von Seiten der Software AG – Stiftung betreut hat. Es sei bedauerlich, dass trotz der Ergebnisse bisher noch der politische Wille fehle, die Oberstufen an den dänischen Waldorfschulen auch zu finanzieren.

Die Software AG – Stiftung fördert Vielfalt im Bildungswesen und hat die wissenschaftliche Untersuchung durch die Dänische Pädagogische Universität (DPU) unterstützt.