Biologische Vielfalt erhalten – Einweihung des neuen Kuhstalls auf Hof Luna

Eine Herde "Angler Rinder alter Zuchtrichtung" - Foto K. Plischke

Am 20. September 2014 hat der Hof Luna die Einweihung des neuen Kuhstalls im Rahmen des Europa-Reservoirs für "Angler Rinder alter Zuchtrichtung" gefeiert. Mit dem Kuhstallbau ist es dem Hof Luna gelungen, die Grundlage für den Aufbau einer Erhaltungszuchtherde mit 70 Kühen, mehreren Bullenplätzen, einer Auffangstation für genetisch wichtige Tiere sowie Freiraum für die horntragenden Tiere und muttergebundene Kälberaufzucht zu schaffen.

Damit kann die langjährige erfolgreiche Erhaltungs- und Zuchtarbeit der Angler Rinder alter Zuchtrichtung, an der sich inzwischen auch dänische und polnische Züchter beteiligen, fortgesetzt und erheblich ausgebaut werden. Die Angler Rinder alter Zuchtrichtung stehen auf der Roten Liste der Gesellschaft für bedrohte Nutztierrassen. Bei der letzten Bestandsaufnahme konnten noch 340 Kühe dieser alten Rasse in Deutschland ermittelt werden.

Warum die Software AG – Stiftung ein solches Projekt fördert, erläutert SAGST-Projektleiter Klaus Plischke.

Frage: Herr Plischke, warum unterstützt die Software AG – Stiftung den Bau eines Kuhstalles?

Plischke: Zunächst muss gesagt werden, dass wir die gemeinnützige Forschungs- und Züchtungsarbeit fördern, für die der Neubau vonnöten war, und nicht eine reine Baumaßnahme für ein landwirtschaftliches Unternehmen. Und dies muss man im Zusammenhang mit der Geschichte der Software AG – Stiftung sehen. Denn dem Stifter Dr. h.c. Peter Schnell sind nicht nur soziale und pädagogische Förderbereiche ein Anliegen, sondern auch die Forschung im landwirtschaftlichen Bereich.

Frage: Und unter Forschungsförderung und "Naturhilfe" fällt die Förderung des Hofes Luna?

Plischke: Ja, denn der Stifter hat die Förderung der biologisch-dynamischen Pflanzen- und Tierzucht im Sinne des Erhalts und der Fortentwicklung der natürlichen Artenvielfalt als einen der Stiftungszwecke verankert. Und das ist ein ganz besonderer Stiftungszweck, der sich nicht so oft in Stiftungssatzungen findet und den wir auch in ganz besonderer Art und Weise mit Leben füllen. Denn Pflanzen- und Tierzucht ist zwar explizit ein Bestandteil der Abgabenordnung, die genau definiert, was man als gemeinnützig ansehen und fördern kann; jedoch ist hier eine Abgrenzung zur gewerblichen Züchtung notwendig, denn auch große Unternehmen betreiben mit einem hohen Aufwand Züchtungsarbeit.

Frage: Warum sind Tier- und Pflanzenzüchtung im ökologischen und bäuerlichen Landbau so wichtig geworden?

Plischke: Tatsächlich war die Züchtung über viele Jahrzehnte eine Staatsaufgabe, bevor sich eine Industrie dieses Bereiches bemächtigt hatte. Ergebnis ist eine zunehmende Abhängigkeit der Bauern von Konzernen, welche über Patente den Saatgutmarkt dominieren. Und diese Unternehmen haben kaum im Sinn, die Biodiversität zu stärken oder für den Menschen besonders bekömmliche und gesunde Pflanzen zu züchten, sondern vor allem ihren Profit zu mehren. Auf dem Pflanzensektor haben Bauern schon vor 40 Jahren diese Gefahren erkannt und eine eigenständige ökologische Züchtung aufgebaut, die wir als Stiftung auch unterstützen.  Ähnliches gilt für den Tiersektor, wo auch mehr und mehr Großkonzerne versuchen, das Geschäft zu übernehmen; und auch dieses Geschäft wird "geschützt" durch Patente. Bereits heute gibt es auf Tiere mehrere hundert Patente  - obwohl doch eigentlich lebende Organismen nicht patentierbar sind.

Frage: Also geht es um den Erhalt der Vielfalt?

Plischke: Ja, dies ist nach wie vor eine große Herausforderung. In unserem aktuellen Jahresbericht hebt der Stifter noch einmal hervor, dass "die älteren Haustierrassen mit ihren wichtigen Eigenschaften für die Zukunft erhalten und nicht für das heute leider so übliche kurzfristige Profitdenken geopfert werden dürfen". Auf dieser Grundlage wurden wir vor etwa sieben Jahren auf den Landwirt Wilhelm Bertram und den Hof Luna aufmerksam, der bei uns eine Förderung für Maßnahmen zur Erhaltung und Zucht des "Angler Rindes alter Zuchtrichtung" – ein zugegebenermaßen etwas sperriger Name –  beantragt hatte. Im Zuge des Projektes  wurden zunächst Rinder dieser Rasse in Europa identifiziert und die Halter bzw. Züchter zusammengeführt.

Frage: Was ist das Fazit dieses Projektes?

Plischke: Nach zweijähriger Projektarbeit kann zwar noch nicht von einer Sicherung des gefährdeten Bestandes gesprochen werden, aber es ist in dieser Zeit ein deutlicher Grundstein zur Sensibilisierung und Zusammenarbeit der Züchter gelegt worden und auch neue Züchter und Interessierte konnten angesprochen werden. Die GEH (Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V) arbeitet inzwischen auch mit Wilhelm Bertram zusammen, um die Erhaltungszüchtung zu unterstützen.  In Fortsetzung dieses ersten Projektes, welches uns als Stiftung doch sehr beeindruckt und uns durchaus auch die Nöte und Notwendigkeiten in diesem Bereich vor Augen geführt hat, haben wir uns auch an der Entwicklung des Bauvorhabens Kuhstall beteiligt. Wir sind sehr froh, dass dieser Kuhstallbau jetzt tatsächlich entstanden ist und dass jetzt bald die Herde ihr neues wunderschönes Domizil beziehen kann.