Stellungnahme der Stifter zur sich abzeichnenden Beendigung der Stiftungsprofessur Biologisch-dynamische Landwirtschaft an der Universität Kassel / Witzenhausen

Konventionalisierung der ökologischen Landbauforschung – Erste Professur fu?r Biologisch-dynamische Landwirtschaft vor dem Aus?

Aus Verlautbarungen der Leitung der Universität Kassel lässt sich schließen, dass der dort vor 6 Jahren in Witzenhausen eingerichtete, weltweit erste Lehrstuhl fu?r biologisch-dynamische Landwirtschaft, keine Fortfu?hrung erfahren soll.

Die Professur wurde auf Initiative von Studenten im Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften initiiert und von einem Stifterkonsortium, unter anderem der Software AG – Stiftung, finanziert. Die Professur wurde international ausgeschrieben und mit dem holländischen Forscher Prof. Dr. Ton Baars besetzt. Baars musste mit wenig Mitteln in kurzer Zeit eine an Universitäten neue Forschungsrichtung etablieren. Aus Sicht der Stifter, vieler Landwirte, mancher Kollegen und vor allem der Studenten hat er in dieser Zeit ein bedeutsames Fundament fu?r innovative und praxisbezogene Forschungsarbeiten gelegt und beste Arbeit in der Lehre geleistet. Eine umfassende Evaluation durch Gutachter aus verschiedenen Bereichen zeichnete ein differenziertes Bild. Jedoch waren sich alle Gutachten einig, dass Forschung und Lehre zur biologisch-dynamischen Landwirtschaft an einer Universität Platz haben sollte. Eine Fortfu?hrung der Professur wäre so gesehen durchaus möglich gewesen. Massiver Druck von Teilen der Professorenschaft des Fachbereiches Ökologische Agrarwissenschaften verhinderte das offensichtlich. Die Stifter als Vertreter der Zivilgesellschaft sehen mit Sorge, wie mit Schlagworten wie Wissenschaftlichkeit und Exzellenz allem Anschein nach forscherischen Tugenden wie Unvoreingenommenheit und Neugier auf neue forscherische Methoden, Nachhaltigkeitsstreben und Praxisrelevanz geopfert werden. Inzwischen protestieren auch viele Witzenhäuser Studenten, unterstu?tzt von einer Petition von u?ber tausend ehemaligen Studenten, lautstark fu?r den Erhalt der ökologischen Ausrichtung des Fachbereiches und die Fortfu?hrung der biologisch-dynamischen Professur.

Angesichts der dramatischen Erfahrungen mit einer immer stärker industrialisierten und technisierten Landwirtschaft ist es den Stiftern weiterhin ein Anliegen, die Erforschung der Grundlagen einer nachhaltigen Landwirtschaft zu fördern. Dabei gehen sie davon aus, dass die biologisch-dynamische Landwirtschaft als älteste Form des Ökolandbaus mit ihrem ganzheitlichen Ansatz auch weiterhin bedeutsame Impulse in Forschung und Lehre setzen sollte.