Werden Gentechnik-Pflanzen in Spanien zum Unkraut? - Möglicher Gentransfer von Gentechnik-Mais zu Teosinte

25. Februar 2016 - Mit einem offenen  Brief informieren heute 13 Organisationen aus dem Bereich Landwirtschaft und Umwelt die EU-Kommission darüber, dass Teosinte, die Ursprungspflanze des Mais, sich in Spanien als invasive Art ausbreitet. Teosinte und Mais können sich kreuzen und Hybride bilden. Die Organisationen warnen vor einem Gentransfer zwischen Teosinte und dem Gentechnik Mais MON810 von Monsanto, der in Spanien auf über 100.000 Hektar angebaut wird. Die Organisationen verlangen deswegen, dass der Anbau von Mais MON810 gestoppt wird.

Teosinte ist ursprünglich in Mexico beheimatet und wurde 2009 zum ersten Mal in Spanien gesichtet. Aber weder die spanischen Behörden noch der US Konzern Monsanto haben die EU-Kommission offiziell darüber informiert. Inzwischen breiten sich die Pflanzen in Aragon, Navarra und Katalonien aus und sind dort zu einer erheblichen Bedrohung für den Maisanbau geworden. Um wirksame Maßnahmen gegen die weitere Ausbreitung von Teosinte zu ergreifen, haben regionale Behörden den Anbau von Mais in einigen Gebieten sogar bereits verboten.

"In mehreren Regionen Spaniens, die von der Ausbreitung von Teosinte betroffen sind, werden auch tausende Hektar des Gentechnik-Mais angebaut, der ein Insektengift produziert. Wenn diese Eigenschaft auf Teosinte übergeht, könnten die Pflanzen dadurch noch invasiver werden", sagt Blanca Ruibal von Amigos de la Tierra aus Spainien. "Wir sind äußerst besorgt darüber, dass weder die spanischen Behörden noch der US-Konzern Monsanto die EU-Kommission über diese akute Bedrohung für Landwirtschaft und Umwelt unterrichtet haben. Europa könnte sich bald vor dem Problem sehen, dass sich diese Pflanzen nicht nur in Spanien, sondern auch in Maisanbaugebieten in Frankreich, Italien oder Portugal ausbreiten."

Die EU-Kommission wurde wohl tatsächlich nie offiziell informiert. Auf die Anfrage einer spanischen Abgeordneten aus dem Europäischen Parlament antwortete die Komission im November 2014, dass "keine Daten über das Erscheinen von Teosinte" vorlägen. In der Folge wurde Teosinte auch nicht in eine Liste invasiver Arten aufgenommen, die 2015 von der EU-Kommission vorgelegt wurde.

Bisher ging man davon aus, dass Mais in Europa keine Möglichkeit hat, seine Gene mit wilden Artverwandten auszutauschen. Diese Annahme war eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass der Gentechnik-Mais hier angebaut werden darf. Monsanto ist in der EU gesetzlich dazu verpflichtet, jährliche Berichte über den Anbau des Gentechnik-Mais und mögliche Umweltrisiken vorzulegen. Teosinte als neue invasive Art wird in den Berichten aber nicht erwähnt. Gemäß dem letzten Bericht von Monsanto über das Jahr 2014, wurde MON810 in Tschechien, Rumänien, der Slowakei. Portugal und Spanien angebaut. Spanien soll mit etwa 130.000 Hektar die bei weitem größten Anbauflächen haben.

"Wenn es jetzt in Europa verwandte Arten von Mais gibt, über die sich der Gentechnik-Mais in der Umwelt unkontrolliert ausbreiten kann, ist die bisherige Risikobewertung überholt und die EU-Kommission muss die Anbauzulassung für 2016 widerrufen. Das muss passieren, bevor die Landwirte mit der Aussaat beginnen", sagt Christoph Then von Testbiotech.

"Viele ökologisch produzierende Bauern haben in Spanien den Anbau von Mais bereits eingestellt, weil die Gefahr einer Kontamination durch MON810 zu hoch ist", sagt Eric Gall von der Internationalen Vereinigung der ökologischen Landbaubewegungen, IFOAM. "Die spanischen Behörden und die EU-Kommission müssen jetzt untersuchen, ob diese Gefahr durch das Auftreten von Teosinte noch wesentlich verschärft wird."

In ihrem Brief fordern die Organisationen die Behörden deswegen auch auf, die Ausbreitung von Teosinte zu erforschen, die Landwirte umfassend zu informieren und Maßnahmen zu ergreifen, um die weitere Ausbreitung zu stoppen.

Die folgenden Organisationen haben den Brief an die EU-Kommission geschickt:
Amigos de la Tierra, Andalucia ; Libre de Trangénicos Plataforma ; CECU - Confederación de Consumidores y Usuarios ; COAG - Coordinadora de Organizaciones de Agricultores y Ganaderos ; Ecologistas en Acción ; IFOAM EU ; Red de Semillas "Resembrando e Intercambiando" ; SEAE - Sociedad Española de Agricultura Ecológica ; Testbiotech ; Save our Seeds; Software AG - Stiftung; Zukunftsstiftung Landwirtschaft.

Kontakte:
Christoph Then, Testbiotech 0151 54638040, info@testbiotech.org  
Blanca Ruibal, Amigos de la Tierra: 0034 691 471 389, agricultura1@tierra.org
Eric Gall, IFOAM: 0032 491072537, eric.gall@ifoam-eu.org

Der Brief an die EU-Kommission