Schüler in Rheinland-Pfalz liegen kostenmäßig im bundesweiten Ländervergleich im Mittelfeld

Neue Studie belegt: Ein Schüler in Rheinland-Pfalz kostet bis zu 6.834 Euro pro Jahr / Staatliche Schulen sind teurer als bisher angenommen / Finanzhilfe für Privatschulen zu niedrig

Mainz. Staatliche Schulen sind teurer als von der Landesregierung bisher angenommen. Die Finanzhilfe für Schulen in freier Trägerschaft in Rheinland-Pfalz ist dagegen zu niedrig. Diesen Schluss erlaubt das von der Software AG – Stiftung Darmstadt in Auftrag gegebene und vom Steinbeis-Transferzentrum Wirtschafts- und Sozialmanagement Heidenheim erstellte Gutachten zu den Schülerkosten in Rheinland-Pfalz, das heute in Mainz vorgestellt wurde.
Laut Statistischem Bundesamt hat die öffentliche Hand im Jahr 2008 für jeden Schüler an einer staatlichen Grundschule in Rheinland-Pfalz 4.500 Euro ausgegeben. Nach der Studie des Steinbeis-Transferzentrums lagen die tatsächlichen Kosten pro Schüler im Jahr 2008 jedoch bei 5.747 Euro. Damit ergibt sich bereits bei einem Grundschüler eine Differenz von 1.247 Euro. „Weil die amtliche Statistik nicht sämtliche Kosten der staatlichen Schulen erfasst, ist auch die staatliche Finanzhilfe für Privatschulen zu niedrig“, kritisiert Walter Hiller von der Software AG – Stiftung. Dieses Beispiel lasse sich im Prinzip auf alle Schulformen übertragen, so Hiller: „Die Folge dieser Unterfinanzierung seien zum Teil überhöhte Schulgelder und eine Selbstausbeutung der Privatschulen, die die fehlenden Mittel durch Mehrarbeit ihrer Mitarbeiter, durch Sparmaßnahmen bei der Ausstattung und durch Eigenleistungen der Eltern versuchen auszugleichen.“

Die freien Schulen fordern die Landesregierung daher auf, bei der Berechnung der Finanzhilfe für Privatschulen die tatsächlichen Kosten staatlicher Schulen und nicht nur einen Teil zu berücksichtigen. Es müsse jetzt rasch reagiert und die Ersatzschulfinanzierung auf eine realistische Berechnungsgrundlage gestellt werden.

Die Steinbeis-Studie, erstellt von Prof. Dr. Eisinger und Prof. Dr. Warndorf, kommt zu dem Ergebnis, dass, je nach Schultyp, Gesamtkosten in Höhe von ca. 5.747 Euro (Grundschulen) bis ca. 6.834 Euro (Gesamtschulen) pro Schüler entstanden sind. Aufgrund ihrer besonderen Struktur bilden die Förderschulen mit rund 15.843 Euro pro Schüler zu veranschlagende Kosten eine Ausnahme.

Der Großteil der Gesamtkosten entfällt nach der Studie auf den Personalbereich, der auch die zukünftigen Krankheits-, Pflege- und Pensionslasten berücksichtigt. Sie belaufen sich auf 3.999 Euro pro Schüler an Grundschulen bis hin zu 13.404 Euro an Förderschulen. An zweiter Stelle rangieren die Immobilien, die abhängig vom Schultyp, zwischen 10 und knapp 20 Prozent der Kosten verursachen. Hier ergeben sich Beträge bis zu 1.444 Euro. Dabei seien über den Ansatz kalkulatorischer Mieten die Kosten der Kapitalbindung sowie der Instandhaltung der Immobilie einbezogen worden. An dritter Stelle folgen die Verwaltungs- und Sachkosten. Abzüglich der Leistungsentgelte ergeben sich Werte zwischen 116 Euro und 296 Euro.

Die Studie legt die Kosten pro Schüler für 2008 an den kommunalen und staatlich allgemein bildenden Schulen in Rheinland-Pfalz zugrunde. Mit den Personalkosten, den Sachkosten, den Verwaltungskosten und den Immobilienkosten wurden alle relevanten Teilbereiche einbezogen. Die Studie basiert primär auf Daten der offiziellen Statistik. Ergänzend wurde eine empirische Untersuchung durchgeführt, die 605 von 1.407 Schulen in öffentlicher Trägerschaft in Rheinland-Pfalz einbezog. Bezüglich der Schüler erfasst die Studie mit 176.746 von 396.241 einen Anteil von 44,61 % der Grundgesamtheit. Somit ist eine hinreichende Repräsentativität der Studie gewährleistet.

Die Ergebnisse wurden auf Basis eines betriebswirtschaftlichen Kalkulationsansatzes ermittelt, wobei stets auf eine restriktive, die Realität eher unterzeichnende Bewertung geachtet wurde.

Die Software AG – Stiftung möchte mit der Veröffentlichung von Studien zu den Schülerkosten in den einzelnen Bundesländern Transparenz in der Kostenstruktur des Bildungswesens herstellen. „Nur wenn die tatsächlichen Kosten von Bildung bekannt sind, kann über deren Effizienz geurteilt werden. Maßnahmen lassen sich nur optimieren, wenn auch Finanzpläne mit ihren Werten stimmen“, argumentiert Walter Hiller von der Software AG – Stiftung. Schulen in freier Trägerschaft sollten ihre finanzielle Situation mit den politisch Verantwortlichen zukünftig auf der Basis objektiver und nachvollziehbarer Daten verhandeln können.

Das vom Gesetzgeber definierte Gleichheitsgebot werde offensichtlich in vielen Bundesländern verletzt, Schulvielfalt und Wahlfreiheit in Frage gestellt, so Hiller: „Ein Blick über die deutschen Grenzen zeigt, dass man in anderen Ländern dem Freien Schulwesen weit aus mehr und mit Erfolg bessere Entwicklungsmöglichkeiten einräumt.“

Mittlerweile wurden in allen deutschen Bundesländern Studien zu Schülerkosten durch das Steinbeis-Transferzentrum durchgeführt. Da hinsichtlich Konzeption, Methodik und Berechnungsgrundsätzen großer Wert auf Einheitlichkeit gelegt wurde, sind die Ergebnisse weitgehend vergleichbar. Das Ziel der Studien ist es nicht, die Sinnhaftigkeit von Investitionen in das deutsche Bildungswesen in Frage zu stellen. Vielmehr soll ein betriebswirtschaftliches Kostenbewusstsein gefördert werden, das es ermöglicht, den Wertverzehr und die Kostenentstehung einzelner Aufwendungen betriebswirtschaftlich sinnvoller zu verarbeiten und dadurch zu einer genaueren Berechnungsgrundlage zu gelangen. Die Veröffentlichungen der Studien haben zum Teil bereits zu deutlichen Korrekturen in der Bildungspolitik der betroffenen Länder geführt.