Schüler im Saarland liegen kostenmäßig im bundesweiten Ländervergleich im Mittelfeld

Neue Studie belegt: Ein Schüler im Saarland kostet bis zu 6.262 Euro pro Jahr / Staatliche Schulen sind teurer als bisher angenommen / Finanzhilfe für Privatschulen zu niedrig

Saarbrücken. Staatliche Schulen sind teurer als von der Landesregierung bisher angenommen. Die Finanzhilfe für freie Schulen im Saarland ist dagegen zu niedrig. Diesen Schluss erlaubt das von der Software AG – Stiftung Darmstadt in Auftrag gegebene und vom Steinbeis-Transferzentrum Wirtschafts- und Sozialmanagement Heidenheim erstellte Gutachten zu den Schülerkosten im Saarland, das heute in Saarbrücken vorgestellt wurde.

Laut Statistischem Bundesamt hat die öffentliche Hand im Jahr 2008 für jeden Schüler an einem staatlichen Gymnasium im Saarland 5.500 Euro ausgegeben. Nach der Studie des Steinbeis-Transferzentrums lagen die tatsächlichen Kosten pro Schüler im Jahr 2008 jedoch bei 6.410 Euro. Damit ergibt sich bereits bei einem Gymnasiasten eine Differenz von 910 Euro. „Die öffentlichen Zuschüsse sind niedriger, als sie dem Gesetz nach sein sollten. Die Länder sollten etwa 85 Prozent der bei vergleichbaren staatlichen Schulen anfallenden Kosten übernehmen“, stellt Prof. Bernd Eisinger vom Steinbeis-Transferzentrum fest. Die Folge dieser Unterfinanzierung seien zum Teil überhöhte Schulgelder und eine Selbstausbeutung der Privatschulen, die die fehlenden Mittel durch Mehrarbeit ihrer Mitarbeiter, durch Sparmaßnahmen bei der Ausstattung und durch Eigenleistungen der Eltern ausgleichen müssen.“

Die freien Schulen fordern die Landesregierung nicht nur auf, ihre Kürzungen zurückzunehmen, sondern auch bei der Berechnung der Finanzhilfe für Privatschulen die tatsächlichen Kosten staatlicher Schulen und nicht nur einen Teil zu berücksichtigen. Es müsse jetzt rasch reagiert und die Ersatzschulfinanzierung auf eine realistische Berechnungsgrundlage gestellt werden.

Die Steinbeis-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass, je nach Schultyp, Gesamtkosten in Höhe von ca. 5.718 Euro (Grundschulen) bis ca. 6.262 Euro (Gesamtschulen) pro Schüler entstanden sind. Aufgrund ihrer besonderen Struktur bilden die Förderschulen mit rund 16.766 Euro pro Schüler zu veranschlagende Kosten eine Ausnahme.

Der Großteil der Gesamtkosten entfällt nach der Studie auf den Personalbereich, der auch die zukünftigen Krankheits-, Pflege- und Pensionslasten berücksichtigt. Sie belaufen sich auf etwa 4.066 Euro pro Schüler an Grundschulen bis hin zu 14.107 Euro an Förderschulen. An zweiter Stelle rangieren die Immobilien, die abhängig vom Schultyp, zwischen 8 und 19 Prozent der Kosten verursachen. Dabei seien über den Ansatz kalkulatorischer Mieten die Kosten der Kapitalbindung sowie der Instandhaltung der Immobilie einbezogen worden. An dritter Stelle folgen die Verwaltungs- und Sachkosten. Abzüglich der Leistungsentgelte ergeben sich Werte zwischen 64 Euro und 281 Euro.

Die Studie legt die Kosten pro Schüler für 2008 an den kommunalen und staatlich allgemein bildenden Schulen im Saarland zugrunde. Mit den Personalkosten, den Sachkosten, den Verwaltungskosten und den Immobilienkosten wurden alle relevanten Teilbereiche einbezogen. Die Studie basiert primär auf Daten der offiziellen Statistik. Ergänzend wurde eine empirische Untersuchung durchgeführt, die 173 von 276 Schulen in öffentlicher Trägerschaft im Saarland einbezog. Bezüglich der Schüler erfasst die Studie mit 57.919 von 95.685 einen Anteil von 60,53 % der Grundgesamtheit. Somit ist eine hinreichende Repräsentativität der Studie gewährleistet.

Die Ergebnisse wurden auf Basis eines betriebswirtschaftlichen Kalkulationsansatzes ermittelt, wobei stets auf eine restriktive, die Realität eher unterzeichnende Bewertung geachtet wurde.

Die Software AG – Stiftung möchte mit der Veröffentlichung von Studien zu den Schülerkosten in den einzelnen Bundesländern Transparenz in der Kostenstruktur des Bildungswesens herstellen. „Nur wenn die tatsächlichen Kosten von Bildung bekannt sind, kann über deren Effizienz geurteilt werden. Maßnahmen lassen sich nur optimieren, wenn auch Finanzpläne mit ihren Werten stimmen“, argumentiert Walter Hiller von der Software AG – Stiftung. Schulen in freier Trägerschaft sollten ihre finanzielle Situation mit den politisch Verantwortlichen zukünftig auf der Basis objektiver und nachvollziehbarer Daten verhandeln können.

Das vom Gesetzgeber definierte Gleichheitsgebot werde offensichtlich in vielen Bundesländern verletzt, Schulvielfalt und Wahlfreiheit in Frage gestellt, so Hiller: „Ein Blick über die deutschen Grenzen zeigt, dass man in anderen Ländern dem Freien Schulwesen weit aus mehr und mit Erfolg bessere Entwicklungsmöglichkeiten einräumt.“

Mittlerweile wurden in allen deutschen Bundesländern Studien zu Schülerkosten durch das Steinbeis-Transferzentrum Wirtschafts- und Sozialmanagement Heidenheim unter der Leitung von Prof. Dr. Eisinger und Prof. Dr. Warndorf durchgeführt. Das Ziel der Studien ist es nicht, die Sinnhaftigkeit von Investitionen in das deutsche Bildungswesen in Frage zu stellen.
Vielmehr soll ein betriebswirtschaftliches Kostenbewusstsein gefördert werden. Zudem soll die Kostenentstehung objektiv erfasst und verarbeitet werden, um dadurch zu einer korrekten Berechnungsgrundlage zu gelangen. Die Veröffentlichungen der Studien haben zum Teil bereits zu deutlichen Korrekturen in der Bildungspolitik der betroffenen Länder geführt.