Neue Formen der Einbindung alter Menschen in das tägliche Leben sind gefragt.

   

Vom Gefühl, ein wertvoller Mensch zu sein – "Tausend Taten" setzt sich für Demenzkranke ein

Demenz ist in den Debatten über eine alternde Gesellschaft ein Dauerthema geworden. Allgemein breit diskutiert, ist die Krankheit im individuellen Fall jedoch oft mit Tabus und Ängsten belegt. Angehörige von Demenzkranken bemühen sich vielfach zu spät um Hilfe und Unterstützung und erleben Überforderung, die Erkrankten ziehen sich oft in eine Isolation zurück. "Wir haben erkannt, dass Demenz ein großes Problem ist, welches durch professionelle Dienste alleine nicht gelöst werden kann", sagt Dorothea Petrich vom Jenaer Verein "Tausend Taten". Vielmehr sei ein Stück Zivilgesellschaft gefragt. Daher hat die Sozialpädagogin das Projekt "Paten für Demenz" ins Leben gerufen. Ein Projekt, das zum Vereinsmotto "Zeit schenken und Freude gewinnen" passt. Denn "Tausend Taten e.V." will das bürgerschaftliche Engagement in Jena und Umgebung aktivieren und ausbauen. Mit Hilfe zahlreicher Freiwilliger werden soziale Projekte in der Alten-, Kinder- und Jugendhilfe sowie in den Bereichen Bildung und Förderung umgesetzt.

Auslöser für das Programm "Paten für Demenz" waren die zahlreichen Anfragen, die den Verein aufgrund seiner bisherigen Aktivitäten erreicht haben. Doch anders als beispielsweise bei dem Besuchsangebot für ältere, alleinlebende Menschen war Demenz ein neues Feld, für das Ehrenamtliche ganz anders vorbereitet werden mussten. Dorothea Petrich hat daher gemeinsam mit Experten in diesem Bereich ein dreitägiges Weiterbildungsprogramm entwickelt, das die Paten intensiv auf das Krankheitsbild Demenz und die damit verbundenen Verhaltensänderungen vorbereitet und ihnen Hinweise für den Umgang mit den Erkrankten an die Hand gibt. Die geschulten ehrenamtlichen Demenzpaten betreuen stundenweise demenzerkrankte Menschen in ihrer häuslichen Umgebung. Das Angebot dient der Entlastung von pflegenden Angehörigen, der Vermeidung sozialer Isolation, dem Aufbau von Beziehungen zwischen Menschen sowie der Unterstützung bei der Gestaltung des Alltags.

Die Paten werden dringend benötigt, denn "einen Demenzkranken zu Hause zu pflegen und zu betreuen ist für die Angehörigen eine massive Herausforderung und auch Belastung", weiß Dorothea Petrich. "Wir möchten unterstützen, indem wir eine Möglichkeit schaffen, dass der Angehörige einige Stunden pro Woche Zeit hat für sich, denn oft hat er die Pflege ganz allein. In dieser Zeit soll er seinen Erkrankten in guten Händen wissen".

Die Demenzkranken erleben dabei einen deutlichen Zuwachs an Lebensqualität. Beispielsweise weckt die Beziehung mit den Ehrenamtlichen oft Fähigkeiten, die seit vielen Jahren geschlummert haben. Auf einmal stricken oder kochen sie wieder – die einzelnen Schritte beherrschen sie noch, die Unterstützung durch die Demenzpaten befähigt sie dazu, wieder komplexere Aufgaben zu bewältigen. "Gerade bei Demenz ist Menschlichkeit gefragt, der menschliche Beistand", erklärt Petrich. "Wenn viele Fähigkeiten verlorengehen, am Schluss bleibt das Emotionale, und das kann von Mensch zu Mensch vermittelt werden". Dies führt auch dazu, dass die Erkrankten wieder das Gefühl haben, ein wertvoller Mensch zu sein. Von diesem Engagement profitieren aber nicht nur die Angehörigen und Erkrankten, sondern ganz besonders auch die Paten selbst. Der oben eingefügte Film über das Projekt zeigt, dass sich aus den Patenschaften sogar richtige Freundschaften entwickeln können.

Die Software AG – Stiftung fördert Initiativen, die in der Altenhilfe und im Umgang mit gesellschaftlichen Herausforderungen wie Demenz neue Wege aufzeigen und beschreiten wollen. "Bei dem Projekt "Paten für Demenz" hat mich von Anfang an begeistert, dass nicht nur Angehörige von Demenzkranken entlastet werden und die Erkrankten einen enormen Zuwachs an Lebensqualität erfahren, sondern dass auch die Paten selbst viel Freude aus ihrer Tätigkeit schöpfen", betont Jana Weische, die das Projekt von Seiten der Sofware AG – Stiftung begleitet. Damit werde ein wichtiger Impuls für zivilgesellschaftliches Engagement und den Umgang mit der "Volkskrankheit Demenz" gelegt.