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Ackern schafft Wissen! Die GemüseAckerdemie sorgt mit Schulgärten für mehr Wertschätzung von Lebensmitteln

Fotos: BMEL

Woher kommen unsere Lebensmittel – und wie werden sie eigentlich angebaut? Die GemüseAckerdemie setzt bei der Beantwortung dieser Fragen auf aktives Tun und lässt Kinder und Jugendliche mit ihren Lehrern selbst Gemüse anbauen. Dabei erfahren alle Beteiligten nicht nur viel Wissenswertes über den ökologischen Gartenbau, sondern lernen ganz nebenbei auch den sorgsameren Umgang mit Lebensmitteln.

Ein Beet umgraben, mit den Fingern die frische Erde spüren, Samenkörner versenken oder Unkraut zupfen – nur wenige Kinder und Jugendliche können diese elementaren Tätigkeiten heute noch in ihrem direkten Umfeld erleben. Dabei ist die Arbeit in einem Garten der einfachste Weg, den Wert unserer Nahrungsmittel im wahrsten Sinne des Wortes zu begreifen: Wer selbst erlebt hat, wie lange es dauert, bis aus dem Samenkorn eine Pflanze gewachsen ist, die blüht und schließlich Früchte trägt, wer die Mühe, aber auch die Erfolgserlebnisse beim Gärtnern kennengelernt hat, der weiß die Ergebnisse dieser Arbeit ganz anders zu schätzen.

Doch nur wenige Schulen verfügen über einen Schulgarten, in dem solche Erfahrungen möglich wären, auch in den Lehrplänen spielen Gartenbau und Landwirtschaft kaum eine Rolle. Die meisten Schülerinnen und Schüler kennen Obst und Gemüse deshalb vor allem aus dem Supermarkt. Dabei wäre mehr Wissen dringend vonnöten:  Vielen Menschen fehlt heute der direkte Bezug zu unseren Lebensmitteln, fast zwei Drittel der Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland werfen regelmäßig Essen weg – Wertschätzung sieht anders aus! Zwar bemühen sich zahlreiche Bildungskampagnen, dieses Thema schon an den Schulen anzusprechen, doch bleiben diese meist eher abstrakt und Erfolge sind kaum spürbar.

Naturzusammenhänge aktiv erleben

Die GemüseAckerdemie verfolgt einen anderen, handlungsorientierten Ansatz: Nach dem Motto "Ackern schafft Wissen" hat die Initiative ein umfassendes Lernkonzept entwickelt, mit dem Kinder und Jugendliche selbst aktiv werden können. Seit einem 2013 durchgeführten Pilotprojekt wurde das Konzept kontinuierlich weiterentwickelt, mittlerweile gibt es über 40 Standorte in acht Bundesländern und in Österreich. Die Initiatoren helfen interessierten Schulen, ein Gartengrundstück in Schulnähe zu finden und kümmern sich um dessen Basis-Ausstattung. Die Schülerinnen und Schüler bearbeiten in altersgemischten Kleingruppen eine Saison lang einen kleinen Gemüsegarten: Gemeinsam mit einem Lehrer und einem Mentor aus dem Kreis der Eltern oder Großeltern bauen sie dort verschiedene Gemüsearten an, kümmern sich um die Ernte und sogar die Vermarktung der Feldfrüchte. Auf diese Weise erleben sie hautnah und mit eigenen Händen wichtige Naturzusammenhänge, erweitern ihr Wissen und üben in der Zusammenarbeit mit den Klassenkameraden auch soziale Kompetenzen.

"Die Betreuung eines Schulgartens bedeutet viel Arbeit, Koordination und Organisation und ist mit dem knappen Zeitbudget von Lehrerinnen und Lehrern oft schwer vereinbar. Außerdem fehlt ihnen oftmals das Wissen, um erfolgreich Gemüse anzubauen und dies an die Kinder weiterzugeben", erklärt Dr. Christoph Schmitz, Mit-Gründer und Vorsitzender des Vereins Ackerdemia, der das Projekt koordiniert. "Die Lehrerinnen und Lehrer erhalten neben Fortbildungen umfassendes Lehrmaterial inklusive Methoden zur konkreten Unterrichtsvorbereitung und -gestaltung. Außerdem unterstützen wir die Schulen bei der operativen Durchführung und der Finanzierung des Programms. Mit diesem Rundum-Sorglos-Paket ist es ihnen möglich, einen naturnahen Lernort dauerhaft anzubieten. Es ist unser Ziel, dass möglichst alle Schülerinnen und Schüler in Deutschland lernen, wo Lebensmittel herkommen, wie diese angebaut werden und wie man bewusst mit ihnen umgeht."

Politische Wirkung entfalten

Dieser Ansatz hat auch die Software AG-Stiftung überzeugt, wie Projektleiter Cornelius Sträßer erläutert: "Das Besondere an der GemüseAckerdemie ist der Versuch, ein sehr einfaches Konzept ganz nah an die Schulen zu bringen. Gleichzeitig ist das Programm so flexibel angelegt, dass es deutschlandweit an vielen unterschiedlichen Schulen umgesetzt werden kann und auch Schülerinnen und Schüler erreicht, die sonst kaum die Möglichkeit hätten, in einem Garten zu arbeiten." Ein weiteres Argument für die Förderung vonseiten der Stiftung ist die wissenschaftliche Auswertung, mit der die Wirksamkeit des Programms dokumentiert wird: Die befragten Kinder, Lehrer und Eltern äußerten sich bisher nahezu durchweg positiv und erklärten, dass ihr Umgang mit Nahrungsmitteln durch die GemüseAckerdemie bewusster geworden sei. "Angesichts der Entfremdung weiter Bevölkerungsgruppen von der Nahrungsmittelproduktion sind solche Erfahrungen außerordentlich wertvoll. Obwohl die sogenannte Bauernhofpädagogik wirklich vielversprechende Lernkonzepte bietet, gibt es bisher kaum öffentliche Gelder für Projekte in diesem Bereich", bedauert Sträßer. "Die GemüseAckerdemie hat in unseren Augen das Potential, auch eine dringend nötige politische Wirkung zu entfalten – nicht zuletzt durch die fortlaufende wissenschaftliche Auswertung des Konzepts, in der die gestiegene Wertschätzung von Nahrungsmitteln bei den Beteiligten deutlich erkennbar ist."